Dr. Matthias Laarmann
Nec laudibus nec timore.
IThF

Theologische Reflexionen über Krieg und Frieden in Antike und Mittelalter.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur christlichen Ideengeschichte des Friedens

Leitung/Kontakt und Information:

Dr. Matthias Laarmann (IThF), laarmann@ithf.de, www.ithf.de

Frieden als ein argumentativ begründbarer Ordnungsbegriff politischer Praxis und nicht weniger die kritische Prüfung von Legitimationsmustern für Gewaltanwendungen, die auf diesen Frieden hingeordnet sind, stellen seit seiner Gründung im Jahre 1978 zentrale Forschungsgegenstände am „Institut für Theologie und Frieden“ (IThF) dar.

Dabei sind inzwischen im IThF interdisziplinäre Forschungsprojekte zur Ideengeschichte des Friedens etabliert worden, die sich aus einer übergreifenden Perspektive der umfassenden Aufarbeitung der viel verzweigten friedensethischen Theoriebildungen widmen. Als Teil des Forschungsbereiches II soll hier ein Ort für thematische und methodische Detailuntersuchungen, markante Überblicksskizzen, innovative „Probebohrungen“ und arrondierende Miniaturen offen gehalten werden.

Im Rahmen einer christlichen Friedensforschung bedarf ein entsprechender Versuch daher stets einer theologisch-systematischen Begründung: Grundlage des biblischen Friedenszeugnisses bildet die Wirklichkeit und Gnade des trinitarischen Gottes: der „Gott des Friedens“ (Röm 15,33), „Christus, unser Friede“ (Eph 2,14), und „das zum Leben und Frieden führende Trachten des Geistes“ (Röm 8,6). Auf dieser Grundlage hat jede christlich-theologische Friedensethik sich zu formieren und dabei zu artikulieren, wie der Friede als Fundamentalnorm menschlicher Lebensführung wirksam in eine politische Praxis umgesetzt werden kann.

In der Geschichte christlicher Friedensethik hat die Identität der für normativ erklärten Texte (insb. Dekalog und Bergpredigt) keine Identität der Antworten und Adaptionen auf die je eigene Gegenwart hervorgerufen. Warum dies?

In den kommenden Jahren wird es nun darum gehen, die Entwicklung des christlichen Friedensgedankens von den biblischen Anfängen bis hin zum Übergang in die Neuzeit hinein zu eruieren. Nicht nur westkirchliche Zeugen friedensethischer Traditionen sollen in Blick genommen werden, sondern gleichfalls auch das Christentum im Orient und besonders in Byzanz.

Die ethisch-praktische Dimensionierung aller theologischen Zeugnisse einer Epoche für eine politische Friedenskonzeption soll erkundet werden, und zwar im reflektierten Wissen um Differenzen hinsichtlich der literarischen Genera, religions- und wissenssoziologisches Milieus und übriger relevanter Kontexte der Theoriegenese. Die geplanten Studien besitzen gewollte Schwerpunkte, aber ohne eine falsche Fixierung auf Autoren, die erst in der Nachzeit zu signifikanten Vertretern ihrer Epoche erklärt worden sind. Vielmehr soll im Respekt vor der integralen Ganzheit einer Epoche den vorfindbaren theologischen Positionen ihr historisches Eigenrecht zugebilligt werden, um keine hermeneutische Überlast der späteren Adaptionen aufkommen zu lassen (Die Thomas- bzw. Thomismus-Forschung ist dafür ein gelungenes historiographisches Paradigma selbstkritischen theologiehistorischen Forschens aus dem 20. Jh.). Gerade so können unabgegoltene Potentiale friedensethischer Reflexionen im Christentum wieder aufgedeckt und vertieft werden. Ein derartiges theologiehistorisches Projekt soll daher nicht flach apologetisch, sondern kathartisch-kritisch auf unsere eigene Gegenwart einwirken.

Zu diesem Zweck bedarf es zwingend des Zusammenwirkens mehrerer Disziplinen, die von ihren je eigenen Standorten aus und gemäß ihren spezifischen Methodiken die geschichtliche Situation zu erhellen vermögen. Seiner Arbeitsform nach wird das Projekt daher vorrangig in Symposien verwirklicht, die die Expertise v. a. von Theologen, Philosophen, Philologen, Historikern und Juristen zusammenführen und bündeln.

Die Studien berühren vorrangig folgende Arbeitsfelder:

  • Lexikalische und lexikometrische Fundierungen.

  • Biblische Vorgaben und ihre Rezeption innerhalb (und ggf. auch außerhalb) des Christentums.

  • Formierung und Konturierung christlicher Friedensethik im Kontakt mit einem fremdreligiösen Umfeld (v. a. Judentum, antik-pagane Religionen, keltische, germanische und slawische Religionen, Islam).

  • Regionen, Gruppierungen und Personen mit Bedeutung für friedensethische Reflexionen.

  • Begriffe, Problemkonstellationen und thematische Facetten friedensethischer Reflexion in Patristik und Mittelalter.

Die Symposienreihe wird wie bisher von Monographien und Sammelpublikationen begleitet sein.

Parallel dazu ist an den Aufbau einer „Hamburger Online-Bibliothek christlicher Texte zur Friedensethik (OBiFried)“ gedacht. In ihr sollen der schon längst auch im World Wide Web versammelten res publica litterarum (i. e. scientific community) relevante friedensethische Texte bzw. Textpassagen diverser Autoren aus Patristik und Mittelalter bilingual (lateinisch/griechisch/… - deutsch) und ggf. mit einem Kommentar versehen zur Verfügung gestellt werden. Hinzu käme auch und gerade eine retrovertierte Titelaufnahme der bisherigen IThF-Publikationen, die auf diese Weise durch eine dokumentarischen Verdichtung und bibliographischen Aktualisierung profitieren.

Weitere Wege der Wissensdistribution (z. B. Internet-Enzyklopädien) sollen noch evaluiert werden.









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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